Was ist Ethnologie?

Ethnologie wird mitunter auch Kultur- und Sozialanthropologie oder Völkerkunde genannt. Sie entstand historisch als Wissenschaft der schriftlosen Gesellschaften. Heute hat Ethnologie ihren Gegenstand globalisiert und tendiert zur universalen Wissenschaft vom Menschen. Als solche vermag sie alle anderen Fächer sowohl um die globale als auch um die lokalspezifische Perspektive zu bereichern. Kernkompetenz der Ethnologie ist die Differenzierungsarbeit, der genaue Blick auf kleinste lokale Zusammenhänge. Für ein Verständnis von Konflikten ist die Ethnologie unverzichtbar. Mein Spezialgebiet ist die Konfliktethnologie, auch Konfliktanthropologie genannt. Konfliktanthropologie trägt durch die vergleichende Konfliktanalyse dazu bei, Präventionsarbeit, Diplomatie und im Falle von genozidaler Gewalt militärische Maßnahmen an konkrete, lokale Bedingungen anzupassen und zu verbessern. In der Nachsorge von Konflikten informiert Ethnologie die Migrationspsychotherapie, optimiert und supervidiert Interventionen der Entwicklungszusammenarbeit und Medizin. Herzstück ist aber vor allem, die eigene Gesellschaft einer ständigen Selbstreflexion zu unterziehen. Mein eigenes Aufgabengebiet erstreckt sich von der Gewalt- und Konfliktanthropologie (Hexenjagden, Antisemitismusforschung, Genozidforschung, Terrorismus) über die Ethnopsychologie und Medizinethnologie bis zur Medienethnologie (Ästhetik, Propagandaforschung).